Die Geschichte der Ruine PDF Drucken E-Mail

Erstmal ein paar Informationen ...

Ein alter StichWer hat das alles geschrieben?

Der unten abgedruckte Text (die Fotos hat Anton Florian geknipst) stammt aus dem Bildband "700 Jahre Stadt Forchtenberg". Den kann man bei der Stadtverwaltung im Rathaus in Forchtenberg kaufen.

Wo genau liegt eigentlich die Ruine?

Auf dem Bergsporn zwischen Kupfer und Kocher findet sich unsere Burg, mit der das heutige Forchtenberg gegründet wurde.

So hat alles angefangen ...

Wann die Burg gebaut und damit der Grundstein zur Stadt gelegt wurde, verbirgt sich im Dunkeln der Geschichte. Als sicher gilt, daß es Konrad von Dürn war. Er heiratete 1210 eine Tochter des Grafen von Lauffen und wurde so Herr von Wülfingen, das auf der nördlichen Kocherseite lag. Um sein Besitztum zu festigen und ihm größeres Ansehen zu geben, baute er auf dem Bergsporn gegenüber von Wülfingen eine Burg und veranlasste die Wülfinger, sich unterhalb seiner Burg anzusiedeln. Die Burg war spätestens 1234 fertig, Forchtenberg gegründet und von Wülfingen bald keine Rede mehr. Letzmals wurde es in einer Urkunde von 1253 erwähnt. Der Erbauer der Burg und Gründer Forchtenbergs starb 1258. Seine weitreichende Besitzungen teilte er unter seinen drei Söhnen auf. Sohn Rupert erhielt Forchtenberg, zog in die Burg ein und nannte sich Ruprecht von Dürn, Herr zu Forchtenberg. Der Ort unter der Burg wurde weiter ausgebaut und ummauert. Auch sein Sohn gleichen Namens residierte als Herr von Forchtenberg auf der Burg und legte in einer Urkunde von 1298 seiner Residenz den Namen Stadt zu. Forchtenberg war jetzt Stadt.

 

Jetzt werden wir hohenlohisch ...

Zu der Zeit, als Forchtenberg Stadt wurde, hatte der Niedergang des Geschlechts derer von Dürn schon eingesetzt. Konrads Söhne liebten Prunk, lebten über ihre Verhältnisse, wirtschafteten schlecht und machten Schulden. Ein Besitz nach dem anderen wurde verkauft oder verpfändet. Ruprecht, der Forchtenberg zur Stadt erhoben hatte, starb 1323 ohne Nachkommen. Kurz vor seinem Tode hatte er den Rest seines Besitzes an Kraft II. von Hohenlohe übergeben. So wurde Forchtenberg vor ca. 710 Jahren Stadt und vor ca. 685 Jahren hohenlohisch. Beides ist Ruprecht zuzuschreiben.
Kraft II. von Hohenlohe residierte in seinem Neuensteiner Schloß, wertete aber seine neue Besitzung Forchtenberg auf. Er schuf das Amt Forchtenberg mit Ernsbach, Hermersberg, Büchelberg und Schwarzenweiler und setzte als Verwalter einen Amtmann ein. In der Burg wohnte nur kurze Zeit Ulrich von Hohenlohe. Kraft III. hatte 1367 Burg und Stadt Forchtenberg seinem Sohn Ulrich verschrieben. Der aber pfändete nach dem Tod seines Vater ganz Forchtenberg und hielt sich auf anderen Burgen auf. Die Burg wurde Sitz der hohenlohischen Amtmänner und Lagerhaus mit großem Keller für den Zehnten.
Die 92 Meter lange und bis zu 50 Meter breite Burganlage gehörte zu den großen Burgen Deutschlands. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie schloßähnlich ausgebaut. Beschreibungen aus damaliger Zeit liegen nicht vor. Nur eine Karte vom Kochertal um 1600 angefertigt und im Zentralarchiv Neuenstein aufbewahrt, zeigt die wie ein Schloß aussehende Burg mit Mauern und Türmen.

Jetzt geht es bergab ...

Dieses Bild hat sich nicht mehr lange geboten. Der dreißigjährige Krieg wurde auch ihr zum Verhängnis. Die kaiserlichen Truppen erklärten Forchtenberg zur Festung, die anrückenden Schweden schossen vermutlich die Burg in Brand. Danach war sie auch nicht für die hohenlohischen Amtmänner und die Amtsverwaltung brauchbar. Die Herrschaft erwarb unterhalb der Kirche zwei abbruchreife Häuser und baute dort ein Amtshaus. Heute ist es das Pfarrhaus.
„Das alte Schloß", so wird 1655 berichtet, „ist ganz eingegangen". Nur der Keller blieb erhalten. Um auch größere Fässer für den reichlich fließenden Weinzehnten unterbringen zu können, wurde er nach 1680 erweitert, „solang der ganze Schloßhof war und größer als der Schloßkeller in Öhringen". Auf dem Keller entstanden Fruchtböden und ein Turm. Den Baumeistern war erlaubt, für die Bauten die Steine der Schloßmauern zu verwenden. Die Bauten wurden im Verlauf von hundert Jahren reparaturbedürftig, doch mit den Reparaturen ließ sich die Herrschaft Zeit. Als sie damit beginnen wollte, wurde Hohenlohe württembergisch. Das Fürstentum hörte auf zu bestehen und damit auch das hohenlohische Amt Forchtenberg.
Das Haus Hohenlohe verlor sein Interesse an den Resten der Burg und verkaufte sie um das Jahr 1850 dem Hofküfer Carl Müller. Für treue Dienste erhielt er für 33 Gulden die Burgruine mit allem Zubehör einschließlich der Hoftore und Kellertüren, „soweit sie noch nicht gestohlen waren". Besitzverhältnisse änderten sich, der Zustand der Ruine nicht. Das Wahrzeichen Forchtenbergs zerfiel und wurde zum Steinbruch.
In seinem letzten Verwaltungsbericht von Forchtenberg stellte Robert Scholl 1929 rückblickend fest, daß es ihm gelungen sei, den Kammerpräsidenten Dr. Von Kleefeld, dem bereits das Weißbacher Schlößchen gehörte, zum Kauf der Burgruinezu bewegen. Er habe schon 10000 Mark in die Instandsetzung investiert und in einem Erbvertrag bestimmt, daß nach seinem Tod die Burgruine der Stadt Forchtenberg gehören soll. Dr. Kleefeld, ein Schwager des Reichsaußenministers Gustav Stresemann, wanderte aus. Forchtenberg war um eine Hoffnung ärmer, und die Burgruine wartete auf einen neuen Eigentümer.

Jetzt geht's dem alten Gemäuer wieder etwas besser ...

Der Forchtenberger Sattlermeister Wilhelm Riehmann erwarb sie 1937 aus Heimatliebe. Er wollte verhindern, daß sie in falsche Hände gerät und hoffte, daß eines Tages die Stadt vielleicht doch in der Lage sein werde, den Besitz zu übernehmen. Wilhelm Riehman ließ die Anlage nicht weiter verkommen. Er legte einen Garten mit Blumen und Sträuchern an, schloss den Zugang und sicherte was von der Burg noch vorhanden war. Als Ende der sechziger Jahre die Südmauer einzustürzen drohte, kam das Landesdenkmalamt zu Hilfe. Die Außenmauer zum Kupfertal war gerettet. Was Wilhelm Riehmann 1937 gehofft hatte, sollte sich 1989 erfüllen: die Stadt Forchtenberg wurde Eigentümerin der Burgruine. Jetzt nahte die Zeit einer umfassenden Sanierung der Anlage, die zum Teil zugewuchert und weiter verfallen war. Das Landesdenkmalamt kannte aus der ersten Sanierung den Wert dieses bauhistorischen Höhepunktes über der Stadt und trug wesentlich zu den Sanierungskosten von 1, 3 Millionen Mark bei.
Die Arbeiten waren 1995 abgeschlossen. Die Burgruine blieb Ruine. Aber die ausgedehnte Anlage mit der bis zu zehn Meter hoch aufragenden und über drei Meter dicken Schildmauer, mit ihren gefestigten Außenmauern, dem vom Bauschutt ausgeräumten Keller und dem neuen Aussichtstum inmitten eines bereinigten Schloßhofes wurde für Tausende ein Erlebnis, die 1996 zum ersten Schloßfest gekommen waren. Die Stadt Forchtenberg will aus ihrer Burg keine touristische Attraktion machen. Sie soll in bildschöner Landschaft eine Erholungsanlage sein, Kulisse für festliche und kulturelle Veranstaltungen und ein Treffpunkt für Freunde der Geschichte, die ein Gefühl haben, was wir haben erben dürfen!

Zur Belohnung nach dem Lesen ...

Ein paar Bilder vom Schloßfest 1996:
Schlossfest 1996 nach der Sanierung - 'Bild wird gross durch Klick!'
Schlossfest 1996 an der Schildmauer - 'Bild wird gross durch Klick!'
Schlossfest 1996 Musikverein Forchtenberg - 'Bild wird gross durch Klick!'
Schlossfest 1996 TG Forchtenberg - 'Bild wird gross durch Klick!'

Auszüge des Forchtenberger Heimatbuches

An adeligen Wohnbauten in Forchtenberg ist in erster und fast einziger Linie die Burg oder das Schloss auf dem "vordern Berg", wonach der Ort den Namen hat, anzuführen. Wohl anfangs des 13. Jahrhunderts erbaut, wird die Feste Burg 1240 erstmalig erwähnt. Ein Boppo von Dürn, der sich Boppo de Vorhdenberg nennt, wohnt dort. 1323 iibernimmt Hohenlohe die Unterhaltskosten der kleinen Feste, die eine Schildmauer mit Flankenturm als bergseitige Deckung besass, dazu einen aussergewöhnlich grossen Hof. Die Giebel der Wohngebäude zeigten gegen Kocher sowohl als Kupfer Querbau am Pfarr- und Schlossgarten). Besonders auffallend ist, auch der fast hundert Meter lange Keller, 1655 heisst es in einer amtlichen Nachricht in Neuensteiner herrschaftlichen Akten über die Burg, schon damals Ruine (Zarge):

"Das alte Schloss ist ganz eingegangen, da? Allein die Zarge von wenigem Mauerwerk noch vorhanden, doch gleichwohl dain in annis 1630 et 1631 ein schöner Keller gebauet, welcher mit einem schlechten Strohdach versehen, aber mit Fassen wohl belegt und mit Nutzen zu gebrauchen. Den zum Schloss gehörigen Hof und Garten hat ein Keller ... zu geniessen."

1671 wird das Bauwerk wiederum unter Daich gebracht, bleibt aber sonst unausgebaut. Es hatte vor allem wirtschaftlichen Wert: als Lagerhaus für Naturaliensteuern, verfiel aber allmählich wieder. 1850 erwarb Karl Müller Schloss samt Grund und Boden für ganze 33 fl. Von Hohenlohe; 1925 übernahm ein Herr von Kleefeld die Ruine, liess den Hof bepflanzen und den Weinkeller ausbessern. Er und sein Nachfolger blieben nicht lange Burgherren und 1937 übernahm Sattelmeister Willi Riehmann für 99 Reichsmark die ganze Anlage Er war es auch, der die bauliche Struktur am besten kennenlernte durch jahrelange Pflege- und Instandsetzungsarbeiten: Einmal brach sein Frau in ein unterirdisches Gewölbe ein; ein andermal fand er selbst in einem Wandzwischenraum ein menschliches Skelett, das eindeutig eingemauert war."

Nachtrag:
In den 80er Jahren kaufte die Stadt Forchtenberg das Gelände der Ruine zum Preis von einer Mark von W. Riehmann ab und setze den Keller sowie alle Mauern instand. Nun ist die Ruine ein ruhiger Erholungsort (naja, bis auf einen Tag im Juli ...) für alle Bewohner und Besucher Forchtenbergs.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 15. Februar 2010 um 11:26 Uhr